Die Pandemie und mein Glauben…

Die Pandemie und mein Glauben…

Manchmal werde ich gefragt, was denn diese Pandemie für meinen Glauben an Gott bedeutet? Welche Einwirkungen sie auf mich hat und wie ich als Pfarrer darüber denke.

Liebe Leser, uns alle hat diese Situation überraschend getroffen und ich hätte nicht gedacht, dass dies so tief und anhaltend in unser Leben eingreift.

Ich gehöre nicht zu denen, die hinter der Pandemie finstere politische Verschwörungen vermuten, oder gar gewollte zerstörerische Absichten, von Menschen willentlich verursacht.

1. Verunsichert
Ich bin natürlich auch verunsichert. Bisher war ich es gewohnt, dass wir Gefahren weitestgehend im Griff haben. Als Student kannte ich die Verunsicherung durch das Aids-Virus und die HIV Infektion und an die Bedrohung durch Krebs hatten wir uns allmählich gewöhnen können.  Als wir von Ebola hörten schien dies weit weg. Und EHEC und Vogelgrippe haben in den letzten Jahren uns gezeigt, dass Infektionen und Viren bedrohlich sein könnten.

Unser Leben ist erschüttert, wenn wir dachten, es geht immer weiter so. Wir sind verunsichert, weil wir es als unser Recht verstanden haben, gesund und unbeschwert zu sein.

Nun müssen wir umdenken.

Unser Leben ist lebensgefährlich. Unser Leben ist vom Tod umgeben. Unser Leben kann kurzfristig zu Ende sein. Krankheit kann es zerstören.

Unser Glauben setzt dagegen: „Unser Tod ist vom Leben umgeben“, sagte Martin Luther. Unsere Vergänglichkeit hört die rettende Botschaft: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzig geborenen Sohn gesandt hat, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen.“  Ja wir retten uns nicht selbst. Wir sind endlich. Unser Leben dauert eine kurze Zeit. „Herr lehre uns  bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden…Psalm 90, 12

Gott mutet uns eine Zeit zu, in der wir lernen zu fragen: Was trägt in Zeit und Ewigkeit?

Was gibt meinem Leben Perspektive? Wir haben Erlösung nötig. Wer wird uns sonst aus der Todesverfallenheit retten?

Jesus Christus ist auferstanden. Diese Osterbotschaft gilt der ganzen Welt und lädt uns ein, ihm zu vertrauen. Er ist der Erste, der auferstanden ist, er wird alle nach sich ziehen, die ihm vertrauen.

2. Planung und Frust
Wir sind es gewohnt zu planen. Manchmal haben wir auf die Planlosigkeit anderer Menschen herabgeschaut. Manchmal haben wir den Kopf geschüttelt, wenn wir gesehen haben wie andere in den Tag hineinleben. Nun geht es uns fast auch so. Meine Planungen werden dauernd von neuen Situationen überholt. Das Leben ist unglaublich schnell und scheint still zu stehen.

Ebene noch hätte ich im Fachgeschäft alles in Ruhe aussuchen könne, eine Woche später haben fast alle Geschäfte zu.

Eben noch hatten wir zu Gottesdiensten und Bibelstunde eingeladen, im nächsten Moment geht es nicht mehr. Große Feste, geladene Gäste und auch geistliche Höhepunkte- es muss ausfallen.

Begegnungen und Treffen- und nun sitzen wir in der Kleinfamilie alleine da.

Gott mutet uns zu, unsere Planungen unter Vorbehalt zu machen. „Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will werden wir leben und dies oder das tun.“ Jakobus 4, 15.

Unsere Klugheit, unsere Planungen gehen nicht auf. Das schafft Frust. Wie gehen wir damit um? Suchen wir die Schuld bei anderen oder fangen wir neu an auf Gottes Zeit zu warten? Kann ich es mir leisten zu warten wenn meine wertvolle Lebenszeit verrinnt?

Wie lerne ich ein Leben zu führen und auf Gott zu vertrauen und nicht unverantwortlich zu leben, aber doch unter dem Vorbehalt: „wenn Gott will…“.

Gott ruft uns auf, ihm zu vertrauen, seinem Segen nachzuspüren und auch vorsichtiger und sorgsamer mit Ressourcen umzugehen. Zum Beispiel mit der Ressource „Zeit“. Lasst uns auf seine Zeit warten. Lasst uns neu Geduld üben. Eine Tugend, die uns abhanden gekommen schien.

Nein, unsere selbstsicheren Planungen sollen uns nicht von Gott trennen. Wir wollen nicht das Urteil über uns hören, das Gott zu dem fleißigen, vorsorgenden und selbstsicheren Kornbauer sprach: „Du Narr!“  Vielmehr wird nun die unerschöpfliche Zeit Gottes als Ewigkeit wichtig. Was ich hier verpasse, muss mich nicht vom Leben trennen. Ich habe Hoffnung.

3. Respektvoll ringen
Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Gelingt es uns als Christen dafür einzutreten, dass wir respektvoll um die angemessene Handlung ringen? Gestehe ich dem anderen zu, dass er auch gute Lösungen finden will?

Ohne Vertrauen geht die Gemeinschaft kaputt. Ohne Vertrauen, ohne Einigkeit kann kein Volk leben. Dabei müssen wir nicht alles akzeptieren, was gesagt und getan wird. Aber respektvoll ringen meint, auf Argumente zu hören. Das meint auch keine Halbwahrheiten zu verbreiten. Die Ehre des anderen darf nicht abgeschnitten werden.

Und Wissenschaft, Forschung und Politik bleiben wichtig. Gerade wenn sie Fehler eingesteht oder nach Wegen sucht. Ich bin erstaunt wie es gelingt, Themen von Infektion und Immunologie so breit und verständlich in die Bevölkerung zu bringen. Nun ringen wir mit, um gute Wege aus der Pandemie und darum den Nächsten zu schützen. Vielleicht wir eine spätere Generation auch über uns den Kopf schütteln, so wie wir es tun, wenn wir an die mittelalterliche Pest denken. Aber wir wissen es nicht besser.

Deswegen wollen wir beten für alle, die für die Gesundheit der Menschen wirken und unseren Beitrag leisten, wenn es gilt andere zu schützen. Rücksichtslose und hämisch, verletzende Reden stehen uns nicht gut an. Ob wir es lernen zusammenzustehen?

Nächstenliebe trägt immer Respekt in sich. Und das 8. Gebot warnt uns davor Unwahres oder Verächtliches zu reden. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ 2. Mose 20, 16

Wir beten für die Geschäftsleute und die Unternehmer, für die Verantwortlichen der Heime und Anstalten, der Kliniken und Institute und auch für die Familien und ihre Kinder in den herausfordernden Zeiten.  Und wenn Gott will, kann es sein, dass wir Neues entdecken: Also Stille, und freie Zeit, die Schönheit der eigenen Heimat oder die nachbarschaftliche Verbundenheit, die Chance eng mit den eigenen Kindern Alltagszeit zu verbringen, die Spannung der Wissenschaft und die Erfahrung, dass unsere ganze Welt vernetzt ist. „Und weil wir auch füreinander verantwortlich sind, wollen wir uns gegenseitig dazu anspornen einander Liebe zu erweisen und Gutes zu tun.“ Hebr. 10, 24.

Drei Ergebnisse, die mir viel zu denken und zu tun auftragen. Mitten in der Pandemie. Eine Spur. Gott geht mit. Er ist da.

Andreas Gräßer

Letzte Neuigkeiten

  • 01May
    Mitmachaktion für alle Kinder

    Dein Freudenbild: „Was macht dir Freude?“

    Unter diesem Titel kannst du uns ein Bild oder etwas Gebasteltes zukommen lassen. Dein Kunstwerk ...

     

  • 11Apr
    Die Pandemie und mein Glauben…

    Manchmal werde ich gefragt, was denn diese Pandemie für meinen Glauben an Gott bedeutet? Welche Einwirkungen sie auf mich hat und wie ich als Pfarrer…

  • 11Apr
    ​Besondere Einladungen in schwieriger Zeit

    Liebe Gemeinde, liebe Leser, in den nun doch wieder unüberschaubareren Situationen in der Coronapandemie ist es schwierig zu planen. Gerne wollen wir…

Kontakt

Ev.-Luth. Lutherkirchgemeinde Plauen
Dobenaustraße 12 (Lutherhaus)
08523 Plauen

Telefon:03741 22 62 32
Fax:03741 14 79 20
E-Mail:kg.plauen_luther©evlks.de
Web:www.lutherkirche-plauen.de

Öffnungszeiten Pfarramt

Montaggeschlossen
Dienstag09:00 - 12:00
Mittwoch09:00 - 12:00
 14:00 - 17:00
Donnerstaggeschlossen
Freitag10:00 - 12:00

     

Spendenkonto

IBAN: DE10 8705 8000 3000 0051 60
bei der Sparkasse Vogtland
BIC: WELADED1PLX