Montag, 19. November 2018:

Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.
Josua 1,5

Jesus spricht: Eure Traurigkeit soll zur Freude werden.
Johannes 16,20

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Liebe Leser,

Ach,
wie nah kommt uns in diesen Tagen das Geschehen vor 80 Jahren, als hier in Plauen das jüdische Gotteshaus, die neugebaute und moderne Synagoge vor den Augen der Gläubigen niedergebrannt wurde? Wie können wir schweigen, wenn in diesen Wochen ein jüdisches Restaurant angegriffen, Ausländer gejagt werden und sogar Nazi-Parolen und Hitlergrüße laut werden? Das Mahnmal auf dem Friedhof I und überhaupt alle Erinnerungen an die Reichsprogromnacht, an die Shoa und an den missachteten Glauben der Juden lassen uns seufzen. Gut, dass wir diese Denk-Male haben und mutige Künstler und weitsichtige Mahner solche schon vor vielen Jahrzehnten aufgerichtet haben. Gut, dass wir aufstehen und hingehen können, zum Beispiel am 09. November, 11:00 Uhr in der Engelstrasse, da wo früher diese wunderbare Bauhaus-Synagoge stand, und am Abend in die St. Johannis-Kirche zur Andacht. Oder am 29. November zum Gemeindeabend ins Lutherhaus mit dem Rabbiner David Goldberg aus Hof. Da spüren wir etwas von der Sehnsucht nach Gott, dem vor Gott getragenen Schmerz über Unfrieden und Streit und die Kraft, tatsächlich mit dem HERRN zu rechnen, dass er seine Gerechtigkeit und seinen Frieden schenkt. Das Volk der Juden hält diese Sehnsucht wach und hat immer dafür Worte gefunden. Auch wenn wir für un- sere Sehnsucht gar keine Worte haben, wenn wir sie zudecken mit materiellen Gütern, wenn wir sie wegwischen und denken, das Paradies müsse hier und jetzt sein - die Sehnsucht bleibt. Und wo wir uns die- se Offenheit nach Gott bewahren, kann Gott auch unsere Sehnsucht stillen und uns begegnen mit seinen Mut machenden, wegwei- senden Worten. Wir sind vor Gott nicht verborgen, auch wenn wir unsere inner- sten Beweggründe gar nicht kennen, oder die der anderen absolut nicht zu deu- ten wissen. Vor Gott sind wir Menschen ein aufgedecktes Buch. "All mein Sehnen, Herr liegt offen vor dir, mein Seufzen ist dir nicht verborgen." (Psalm 38,10.) Welche große Sehnsucht hat das Volk Gottes nach Gottes Gegenwart, nach der Erfüllung aller Verheißungen. Das Volk des ersten und des zweiten Bundes. Gerade in diesen Tagen des Herbstes 2018 gedenken wir der Geschehnisse vor 80 Jahren auch in Plauen. Wir sind beschämt, wenn Menschen dies wegwischen wollen oder jetzt mit demonstrativen Auftritten die Deutungshoheit über die Sehnsüchte anderer Menschen beanspruchen, oder sie gar verbieten wollen. Und wie oft haben Menschen, haben auch die Deutschen, diese Sehnsucht mit Füßen getreten, sie in den Dreck gezerrt und abgetan als Träumerei oder gar als Weltverschwörung… Im Gebet und in der vertrauensvollen Offenheit vor Gott finden wir den richtigen Umgang mit echten und verschütteten Sehnsüchten in uns. Und dann haben sie keine zerstörende Macht mehr. Sie sind dem anbefohlen, der uns sowieso kennt. Und er gibt Frieden. Und wir bekommen Kraft diesem Frieden nachzuleben.
Anne Quigley/ Eugen Eckert haben es so gedichtet:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz - sei da, sei uns nahe, Gott.
2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht - sei da, sei uns nahe, Gott.
3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod - sei da, sei uns nahe, Gott.
4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich - sei da, sei uns nahe, Gott.
Und so wünsche ich Ihnen dass auch Ihr ACH und Ihr Seufzen zum Gebet werden kann. "Aber ich Herr warte auf dich. Du HERR mein Gott wirst mich erhören." (Psalm 38,16.)

In diesem Sinne grüßt Sie freundlich,
Ihr Pfarrer Andreas Gräßer